Integration von Zuwanderern: Teilhabe in einer Gesellschaft der Vielfalt

Referent Daniel Meyer, Amt für Migration und Integration, Landratsamt Heilbronn

Seit 2016 gibt es im Landratsamt Heilbronn ein Sachgebiet Integration, das durch verschiedene Projekte die Integration von Neuzuwanderern im Landkreis fördert. Themen sind dabei Neuzuwanderung, Deutsch lernen, Bildung, Zusammenleben vor Ort und ehrenamtliches Engagement. Die Teilnehmenden haben in diesem Workshop die Möglichkeit, anhand von best-practice-Beispielen aus dem Landkreis Heilbronn mehr über Chancen und Herausforderungen einer aktiven Integrationsarbeit zu erfahren und sie in ihrer Kommune anzuwenden

Muslimische Jugendarbeit als neuer Partner der Vielfalt

Muslimische Jugendarbeit als neuer Partner für mehr Vielfalt
Referent: Kofi Ohene-Dokyi, Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie (RAA) e.V., Berlin

Das Engagement von jungen Muslimen ist bereits seit vielen Jahren ein Baustein des jugendarbeiterischen Angebots in der Gesellschaft. Doch noch immer sind ihre Aktivitäten und Angebote weitestgehend unbekannt, oder es bestehen Berührungsängste. Der angebotene Workshop von Kofi Ohene-Dokyi hatte zum Ziel einen ersten Einblick in die muslimische Jugendarbeit in der Region Heilbronn zu vermitteln und mögliche Hemmschwellen abzubauen. Dazu erzählte er eindrucksvoll, wie die RAA Berlin besonders am bekannten Projekt JUMA jung, muslimisch, aktiv muslimische Jugendarbeit förderte.

In Bezug auf den Standort Heilbronn, den die RAA Berlin seit Oktober 2015 im Rahmen des Demokratie Leben-Projekts „Extrem Demokratisch – Muslimische Jugendarbeit stärken“ betreut, stellte die Projektkoordinatorin Tanja El Ghadouini die muslimische Infrastruktur bezüglich der muslimischen Jugendarbeit vor. Zwei Karten zeigten die hohe Dichte unterschiedlicher Vereine und Angebote, die es im Landkreis und im Stadtbezirk Heilbronns gibt. Einige dieser Vereine hatten an einzelnen Qualifizierungsangeboten des Projekts teilgenommen, andere Jugendliche hatten sich langfristig für eine Teilnahme in Form eines eigenen Praxisprojekts entschieden.

Frau El Ghadouini stellte die fünf, von muslimischen Jugendlichen initiierten, konzipierten und umgesetzten Projekte vor: ilevel- Kunst auf Augenhöhe, das Demokratielernspiel Quararo, Déjàvu – Theater der Geschichte, Wildlife Jugend Güglingen und die Heilbronner Jugend- und Freizeitstudie 2017.

Die Projekte zeigten wie vielfältig junge Muslime sich engagieren möchten und wie sie mit Hilfe von Partnern und kreativen Konzepten die Jugendarbeit in der Region bereichern. Die Beispiele machten den Teilnehmenden Mut, sich auf Kooperationen mit jungen Muslimen einzulassen, doch sahen sie auch besondere Herausforderungen, die Herr Ohene-Dokyi in einer moderierten Murmelrunde mit den Teilnehmenden zusammentrug. Eine große Hemmschwelle war für viele der Zugang zu den muslimischen Vereinen und Jugendgruppen. Dieser stellt sich besonders schwierig dar, wenn hauptamtliche Strukturen auf Ehrenamt trafen und sich zusätzlich Informationsstrukturen kulturell unterschieden. Persönliche Ansprache, Soziale Netzwerke und das Prinzip von Türöffnern könnten hilfreich sein, diese Hemmschwelle abzubauen. Die RAA Berlin würde u.a. diese Kompetenzen auf Wunsch der Teilnehmenden in das Netzwerk „Vielfalt stärken“ miteinbringen.

Insgesamt waren die Teilnehmenden auch von ihren erfolgreichen Erfahrungen begeistert. Sie schätzten den interreligiösen Austausch, die zunehmende Selbstverständlichkeit muslimischen Lebens in Heilbronn, die starke Bindungskraft junger Muslime, wenn sie aktiv in einem Projekt oder an einem Angebot teilnahmen. Besonders gut gefielen ihnen die aktuellen Beispiele aus der muslimischen Jugendkultur wie JUMA, I’slam, die Datteltäter, aber auch die praktischen Tipps und der Überblick über die Institutionen. Alle vorgestellten Projekte der RAA Berlin konnten auch auf dem anschließenden Marketplace im Gespräch mit den Jugendlichen kennengelernt werden.

Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt

Referentin Sabrina Paulino, Fachkraft für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt und Anti-Diskriminierung

Die beiden Bilder können und wollen an dieser Stelle nur einen kleinen Einblick in den Workshop über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt geben- einerseits, weil auch dieser Bereich sehr viel differenzierter betrachtet werden kann und muss, was alleine an den Begrifflichkeiten im ersten Bild deutlich wird, andererseits, weil es unter den Teilnehmern im Workshop natürlich auch einen regen Wissens- und Erfahrungsaustausch gab, der hier gar nicht dargestellt werden kann.

Im folgenden Bild daher nur Antwort-Stichworte (in Form der Kärtchen), zu den vorher erarbeiteten Fragestellungen auf weißem Papier „welche Ideen wurden im Workshop diskutiert“, „welchen Mehrwert hat dieser Aspekt von Vielfalt in der Jugendarbeit“, “ was hemmt bei der Umsetzung“ , „welchen Mehrwert bringt ein Netzwerk“ und „welche Rolle und Bedeutung haben Netzwerkpartner“- immer aus dem Blickwinkel der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt heraus gesehen.

Vielfalt rund um Heilbronn sichtbar machen

Referentin Dr. Sabine Rivier, Soziologin und Trainerin für interkulturelle Kompetenzen

Vielfalt sichtbar machen war Thema und Aufgabe des Workshops- eine Anleitung zu kreativem Denken gab es hierbei inklusive und führte zu durchaus überraschenden Ergebnissen.

Energiegeladen und kurzweilig schaffte es Referentin Dr. Sabine Rivier, die Teilnehmer des Workshops mitzunehmen, das Thema intuitiv und von -für die meisten- völlig ungewohnter Seite anzugehen.

Über das Sammeln von Assoziationen zum Thema Vielfalt und der anschließenden Auswahl des für einen selbst absurdesten Begriffs hierzu beschäftigten sich die Teilnehmer in Zweiergruppen damit, nach Vielfalt in eben diesen ausgesuchten Nennungen zu suchen und nach Möglichkeiten ein Mini-Marketingkonzept dafür zu entwickeln.

Und wurden, durchaus zur eigenen Überraschung des ein oder anderen, alle fündig: ob in der Zwiebel durch Schichten und unterschiedlichste Zwiebelarten sichtbar werdende „Alltags“-Vielfalt oder die Vielfalt auf der Autobahn- alle Zweiergruppen konnten am Ende ein Mini-Konzept zu ihrem Vielfalts-Begriff präsentieren.

Auf sehr unterhaltsame Weise wurde so deutlich, dass Vielfalt viele Gesichter hat und das Positive an Vielfalt nicht immer nur mit tiefgründigem Ansinnen dargestellt werden kann, sondern Vielfaltsaspekte mit Leichtigkeit, zum Nachdenken anregend, aus dem Alltag heraus transportiert werden können.

„… Mein persönliches Highlight war die Arbeitsweise und Präsentationsweise von Fr. Dr. Rivier, ich habe noch nie Soziologie so greifbar dargestellt bekommen. Danke für eure gute Vorbereitung! Der Nachmittag hat sich für mich gelohnt.“ Jana Wagner, Kinder- und Jugendreferat Bad Friedrichshall